Gottes Segen

Veröffentlicht auf von Margot

Wieder einmal sämtliche Frühlingsgefühle umsonst. So wie auf dem Bild sah es heute in der Früh bei mir aus. Mittlerweile ist der Schnee noch viel mehr geworden. Wegen mir hätten sie sich da oben nicht anstrengen müssen, ich brauche das weiße Zeug wirklich nicht. Naja, man kann's nicht ändern.
Heute bei der Bushaltestelle: Finsternis, Schneegestöber. Ich stehe in der Kälte und warte auf den Bus. Da kommt ein Mann und spricht mich an. "Grüßgott", sagt er. Ich grüße ihn auch und schaue ihn mir genauer an. Dicke Pudelmütze, ziemlich zahnloser Mund und freundliche Augen mit vielen Lachfältchen drum herum. Bin mir nicht ganz sicher, ob er ganz bei Trost ist, aber auf jeden Fall ist er harmlos. Er redet weiter: "Sie müssen sich nicht fürchten." Ich sage: "Ich fürchte mich nicht, es gibt keinen Grund dafür." Dann erzählt er mir lang und breit, dass er Pfarrer ist und dass Gott auf mich schaut, denn schließlich ist es ja für eine Frau nicht ungefährlich um diese Zeit auf der Straße. Was alles passieren kann, es gibt ja so viele schlechte Männer auf der Welt, ganz besonders in dieser unserer Zeit, aber ich soll mich nicht fürchten. Eigentlich habe ich mich noch nie abends auf der Straße gefürchtet, und das sage ich ihm auch, und füge noch hinzu, dass es Zeiten gegeben hat, in denen sich Frauen weit mehr fürchten mussten als heute. Herzliches Lachen ertönt. Dann erklärt er mir noch sehr ausführlich Gottes Liebe. Schließlich kommt mein Bus, ich steige ein, und da ruft er mir noch hinterher: "Gottes Segen sei mit Ihnen!" Sehr freundlich von ihm. Bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob er ganz bei Trost ist. Und als ich im Bus Richtung heimwärts sitze, komme ich ins Grübeln, ob er sich nicht vielleicht die falsche Person für seinen Segen ausgesucht hat. Denn schließlich bin ich seit über 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich mir mit dem Glauben hart tue. Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich abegeneigt bin, ich schaffe es nur einfach nicht, selbst wenn ich immer wieder nach Argumenten suche, die es mir ermöglichen würden zu glauben. Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass wirklich gläubige Menschen wesentlich sicherer durchs Leben schreiten. Da gibt es keinen Anflug des Zweifels, alles ist eindeutig, und das ganze Leben ist fast so etwas wie ein Lotteriegewinn. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist geklärt, und auch die Frage, was nach dem irdischen Leben kommt. Das alles entgeht mir, weil ich nicht glaube. Aber vielleicht brauche ich genau deswegen Gottes Segen. Solche Gedanken gehen mir also im Kopf herum während meiner Heimfahrt. Und das alles nur deswegen, weil ich mich nicht gefürchtet habe. Sehr paradox.

Liebe Grüße
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iphigenie 02/10/2009 07:26

Liebe Margot, Glauben ist ein langer Weg. Ich habe erst mit 39 zu meinem eigenen Glauben (eigene Auslegung)gefunden. Könnte es auch mehr so eine Werteorientierung nennen....und es kommen Zweifel und dann wieder ein schönes geborgenes Aufgehoben sein. Eine nicht enden wollende Sinnsuche stand/steht an, habe mich theologisch belesen und das war total spannend. Was letzendlich die Quintessenz war, ich habe die größte Herausforderung meines Lebens angenommen und mich gefunden, die Liebe zu mir selbst. Das ist etwas ganz Wertvolles. Ich bin auch offen für andere Religonen und neue Freundschaften - der Austausch ist immer anregend. So lebe ich nun im Glauben suchend;-) auf meinem Weg.
liebe Grüße Manuela

Margot 02/11/2009 21:43


Liebe Manuela, ich denke, die Liebe zu sich selbst ist eine Grundvoraussetzung dafür, um liebend durchs Leben gehen zu können. Es freut mich sehr, dass du sie gefunden hast. Was den Glauben
betrifft, so bin ich meistens am Zweifeln. Ich habe zu dem Thema auch einiges gelesen, sehr anregend habe ich Hans Küng gefunden, jedoch konnte die Lektüre meine Zweifel nicht ausräumen. Allerdings
bin ich immer noch auf der Suche.
Liebe Grüße von Margot


Susanne 02/01/2009 22:46

Liebe Margot, ja ich stimme dir zu, die Grenze zur Manipulation ist dünn. Ich glaube aber auch, daß es eben bei Manipulation nicht funktioniert oder als Negativum auf einen zurück fällt.
Danke für die Parkplatzsuchwünsche - kann man in Salzburg ja oft genug brauchen *gg* - ich bin ja an sich auch gern mit Öffis unterwegs, aber bei der Packelei gerade im Winter mit den Kids steige ich dann doch gerne aufs Auto um. Alles Liebe Susanne

Margot 02/02/2009 21:20


Wenn man von auswärts kommt und zwei Kinder im Schlepptau hat, ist es sicher bequemer. Ich glaube, wenn ich nicht in der Stadt wohnen würde, würde ich mir auch ein Auto zulegen. Hier habe ich halt
die Bushaltestelle fast direkt neben dem Haus.
Liebe Grüße von Margot


Volker 02/01/2009 00:32

Liebe Margot, womit willst du dich in die Nesseln setzen? Es ist dein Blog und du kannst schreiben wonach dir ist. Was andere darüber denken, sollte dir am Allerwertesten vorbeigehen. Lass dein Gefühl entscheiden, ob du dies oder das postest. Wünsch dir einen schönen Sonntag. LG Volker

Margot 02/01/2009 10:55


Herzlichen Dank, lieber Volker. Natürlich ist es meine Sache, was ich hier schreibe. Ich habe nur in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass Menschen, wenn es um Glaubensangelegenheiten geht,
manchmal sehr empfindlich sind, weil es vermutlich ein sehr persönliches Thema ist.
Dir auch einen schönen Sonntag!


Volker 01/31/2009 10:49

Ja wie gesagt, ich arbeite daran, ob ich ihn jemals erreiche? Aber Sinn der Evolution ist ja, immer nach Höherem zu streben :-)))) LG Volker

Margot 01/31/2009 11:06


Das finde ich sehr nobel von dir. Das Streben nach Höherem ist etwas, das Menschen gerne vergessen, wenn sie gewisse Ziele erreicht haben. Ich danke dir sehr für deine konstruktiven Beiträge. Als
ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich ein paar Bedenken gehabt, ob ich mich nicht in die Nesseln setze. Aber wie ich gesehen habe, haben sich die meisten Leute schon ihre eigenen Gedanken
zu diesem Thema gemacht.
Liebe Grüße von Margot


Susanne 01/30/2009 21:08

Liebe Margot, ich denke, daß es egal ist, ob die Antworten von einem selbst kommen oder von "Gott" oder einem höheren Wesen oder was immer. Ich glaube, daß, wenn man nur wirklich in sich hinein hört, man auch die richtigen Antworten auf die Fragen bekommt. In dem Buch geht es vielmehr darum, daß sich der Autor, der in einer sehr tristen Lage war, durch den Glauben an sich selbst - und die Vorstellung eines Lebens in Fülle - sich auch aus dieser Lage befreien konnte. Nachdem ihm dieses geglückt war, ist er jedoch wieder in sein altes Schema gefallen, und zwar hat er die Menschen nur für sein privates Glück benutzt. Weshalb er prompt wieder die Antwort erhalten hat. Und dann ist er eines Nachts erwacht von der Stimme "Gottes" (oder wem immer, der Name spielt ja weniger die Rolle): Glaubst du es noch nicht? Und von da an erhielt er Antworten auf seine Fragen. Und ich weiß, wenn du dir eine bestimmte Situation erwünscht, und du stellst dir dann vor, wie diese Situation sein wird (visualisieren) - dann kreierst du damit auch diese Situation. Allerdings darfst du das nur auf dich beziehen, du kannst dir nicht vorstellen, daß irgendjemand sich verletzt um dessen Posten zu bekommen z.B. - eh klar. Probiers mal mit so was Banalem wie Parkplätzen aus. Wenn du keine Zweifel dabei hast, wird es funktionieren! Alles Liebe Susanne

Margot 01/31/2009 10:54


Liebe Susanne, Parkplatzsorgen habe ich nie, weil ich gar kein Auto habe. Ich denke, dass das Visualisieren durchaus eine Möglichkeit ist, Situationen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Wobei
die Grenze zur Manipulation allerdings eine sehr dünne ist, wenn es Situationen sind, in denen man mit anderen Menschen zu tun hat. Vermutlich kommt es auch immer auf die Art der Wünsche an - bei
Unmöglichem wird diese Methode vermutlich streiken.
Viele Erfolg auch weiterhin bei der Parkplatzsuche wünsche ich dir!
Liebe Grüße von Margot