Jugend
Eine Szene aus dem Bus: Auf einer Zweierbank sitzt ein junger Bursche, neben sich auf dem Sitz seine Schultasche. Eine ältere Frau steigt ein. Im Bus sind etliche Sitzplätze frei. Sie geht zielstrebig auf den Burschen zu und faucht ihn an: "Tu das weg!". Er nimmt seine Tasche und stellt sie auf den Boden. Sie schaut ihn indigniert an, kein danke, nichts, und setzt sich.
Eine andere Szene: Eine Gruppe Jugendlicher kommt in die Bücherei. Die Burschen haben diese Hosen an, die kennt ihr sicher, wo der Hintern bei den Knien unten hängt, Kapuzenshirts und Kappen, die verkehrt herum auf dem Kopf sitzen. Die Mädchen in hautengen Hosen, stark geschminkt und diese Täschchen mit den kurzen Henkeln unter den Arm geklemmt. Sie gehen rein, leihen sich Bücher aus und gehen wieder. Keine besonderen Vorkommnisse. Als sie draußen sind, sagt eine anwesende ältere Frau: "Aus denen wird nie etwas."
Ich erzähle das jetzt einmal völlig ohne Wertung. Irgendwie kommt mir das alles sehr bekannt vor und erinnert mich an meine eigene Jugend.
Ich weiß, meine Zeichenkünste sind bescheiden. Könnte ich besser zeichnen, wäre ich wahrscheinlich eine berühmte Künstlerin, so bin ich nur eine einfache Hobbystrickerin. Das Bild soll mich selbst im Alter von 16 Jahren darstellen. Man beachte die langen zotteligen Haare, die schwarzen Gewänder und die dick schwarz umrandeten Augen, und ganz besonders beachte man den mürrischen Gesichtsausdruck. Ich war nämlich in meiner Jugend eine wilde Rockerin (zumindest wollte ich das gerne sein). Alle Menschen mit langen Haaren und schwarzen Gewändern haben mir schwer imponiert, und mein Lebenstraum war es zu jener Zeit, mir einen berühmten Rockstar zu angeln, mit dem ich dann in trauter Zweisamkeit für den Rest meines Lebens cool sein könnte. Schiefe Blicke habe ich viele geerntet, was ich auf die Borniertheit der Erwachsenen geschoben habe, und tatsächlich hat meine Mutter hin und wieder, wenn die Musik aus meinem Zimmer einmal besonders laut war, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Vermutlich hat sie befürchtet, dass aus mir nie etwas wird. Im nachhinein kann ich sagen, aus mir ist schon etwas geworden, nämlich eine Bibliothekarin, sozusagen eine Respektsperson, mit langen zotteligen Haaren.
Ich glaube auch, dass es die jungen Leute heutzutage nicht so leicht haben, wie wir es damals hatten. Das Leben ist komplizierter geworden, es ist nicht mehr so einfach, einen Job zu finden, von dem man auch leben kann, und die Anforderung sind generell höher geworden. Die Firmen bilden keine Lehrlinge mehr aus, dafür schreien sie nachher lautstark, dass sie keine Facharbeiter haben. Alle paar Jahre wird die PISA-Studie bemüht, um zu verdeutlichen, wie dumm die Jugend geworden ist, aber wenn man die Zeitung aufschlägt, dann ist sie voll mit Rechtschreibfehlern, die Erwachsene gemacht haben. Und vor allem haben die meisten Erwachsenen vergessen, dass sie selbst einmal jung waren. Ich denke, ein bisschen mehr Gelassenheit könnte nicht schaden. Vielleicht sogar ein bisschen mehr Lebensraum für die Jugend. Schließlich sollte die Welt nicht nur aus Parkplätzen, Schnellstraßen und Einkaufszentren bestehen, vor allem sollte sie Platz für die Menschen zum Leben bieten.
Und wie wart ihr?
Liebe Grüße
Eine andere Szene: Eine Gruppe Jugendlicher kommt in die Bücherei. Die Burschen haben diese Hosen an, die kennt ihr sicher, wo der Hintern bei den Knien unten hängt, Kapuzenshirts und Kappen, die verkehrt herum auf dem Kopf sitzen. Die Mädchen in hautengen Hosen, stark geschminkt und diese Täschchen mit den kurzen Henkeln unter den Arm geklemmt. Sie gehen rein, leihen sich Bücher aus und gehen wieder. Keine besonderen Vorkommnisse. Als sie draußen sind, sagt eine anwesende ältere Frau: "Aus denen wird nie etwas."
Ich erzähle das jetzt einmal völlig ohne Wertung. Irgendwie kommt mir das alles sehr bekannt vor und erinnert mich an meine eigene Jugend.
Ich weiß, meine Zeichenkünste sind bescheiden. Könnte ich besser zeichnen, wäre ich wahrscheinlich eine berühmte Künstlerin, so bin ich nur eine einfache Hobbystrickerin. Das Bild soll mich selbst im Alter von 16 Jahren darstellen. Man beachte die langen zotteligen Haare, die schwarzen Gewänder und die dick schwarz umrandeten Augen, und ganz besonders beachte man den mürrischen Gesichtsausdruck. Ich war nämlich in meiner Jugend eine wilde Rockerin (zumindest wollte ich das gerne sein). Alle Menschen mit langen Haaren und schwarzen Gewändern haben mir schwer imponiert, und mein Lebenstraum war es zu jener Zeit, mir einen berühmten Rockstar zu angeln, mit dem ich dann in trauter Zweisamkeit für den Rest meines Lebens cool sein könnte. Schiefe Blicke habe ich viele geerntet, was ich auf die Borniertheit der Erwachsenen geschoben habe, und tatsächlich hat meine Mutter hin und wieder, wenn die Musik aus meinem Zimmer einmal besonders laut war, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Vermutlich hat sie befürchtet, dass aus mir nie etwas wird. Im nachhinein kann ich sagen, aus mir ist schon etwas geworden, nämlich eine Bibliothekarin, sozusagen eine Respektsperson, mit langen zotteligen Haaren.Ich glaube auch, dass es die jungen Leute heutzutage nicht so leicht haben, wie wir es damals hatten. Das Leben ist komplizierter geworden, es ist nicht mehr so einfach, einen Job zu finden, von dem man auch leben kann, und die Anforderung sind generell höher geworden. Die Firmen bilden keine Lehrlinge mehr aus, dafür schreien sie nachher lautstark, dass sie keine Facharbeiter haben. Alle paar Jahre wird die PISA-Studie bemüht, um zu verdeutlichen, wie dumm die Jugend geworden ist, aber wenn man die Zeitung aufschlägt, dann ist sie voll mit Rechtschreibfehlern, die Erwachsene gemacht haben. Und vor allem haben die meisten Erwachsenen vergessen, dass sie selbst einmal jung waren. Ich denke, ein bisschen mehr Gelassenheit könnte nicht schaden. Vielleicht sogar ein bisschen mehr Lebensraum für die Jugend. Schließlich sollte die Welt nicht nur aus Parkplätzen, Schnellstraßen und Einkaufszentren bestehen, vor allem sollte sie Platz für die Menschen zum Leben bieten.
Und wie wart ihr?
Liebe Grüße
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