Gestern und heute
In Österreich ist heute Feiertag, Mariä Empfängnis, was mir sehr gelegen kommt, weil ich frei habe. Darum bin ich heute früh dran mit der Bloggerei. Mein Leben lang habe ich ja gerätselt, was es mit dieser Empfängnis auf sich hat und wie sich das ausgeht - Empfängnis am 8. und Weihnachten am 24. Dezember - bis mich ein begeisterter Katholik aufgeklärt hat, dass Maria selbst an diesem Tag empfangen wurde. Damit hoffe ich, dieses Rätsel auch für diejenigen unter euch, die in der katholischen Lithurgie nicht so bewandert sind, gelöst zu haben.
Aber eigentlich wollte ich ja heute etwas völlig anderes beschreiben: Letzte Woche sind mir auf der Straße einmal ein Vater mit seiner Tochter begegnet. Der Vater ausgestattet mit einer großen Kugel in Bauchhöhe, die Tochter - vielleicht 5 Jahre alt - hat ausgesehen wie das Michelin-Männchen. Dazu noch X-Beine, vermutlich verursacht durch das eigene Gewicht, und ein sehr trauriges Gesicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses traurige Kind noch in der Lage ist, sich selbst die Schuhe zu binden. Und als ich diese beiden Menschen gesehen habe, bin ich ins Sinnieren gekommen, warum es eigentlich in meiner eigenen Kindheit völlig undenkbar war, dass Kinder solch eine Leibesfülle mit sich herumtragen.
Unlängst ist mir da ein Werbeprospekt ins Haus geflattert, mit Rezepten eines bekannten Fertigprodukteherstellers. Einen Festtagsbraten haben sie da vorgestellt. Die Mengenangaben für vier Personen waren: 1,2 kg Fleisch, 1 Karotte, 1 gelbe Rübe, 1 Packung Fertigteigmischung für Knödel und 1 Packung Fertigsauce.
In meinem Besitz befindet sich auch das links abgebildete Buch. Sieht ein bisschen altfadrisch aus, was kein Wunder ist, weil es ein offizielles Lehrbuch für Hauswirtschaft aus dem Jahr 1970 ist. Ich lese immer wieder gerne darin, weil so grundlegende Dinge drin stehen wie Löffelmaße, Grundrezepte für Teige oder auch genaue Erklärungen der Fleischteile und ihrer Verwendung zum Beispiel. Auch in diesem Buch gibt es einen Festtagsbraten, diesmal für 18 Personen. Die Mengenangaben sehen folgendermaßen aus: 1,8 kg Fleisch, 1,5 kg Gemüse, dazu gibt es Nockerl aus 1,2 kg Mehl und 3 Eiern.
Jetzt waren damals andere Zeiten, der allgemeine Wohlstand war noch nicht so verbreitet, Fleisch war teuer, und ich muss gestehen, auch ich würde heute einiges anders machen (nur 3 Eier für die Nockerl erscheinen mir dürftig). Aber ganz grundsätzlich hat sich doch einiges geändert seit damals, findet ihr nicht?
Und auf keinen Fall möchte ich jetzt den oben erwähnten Vater und seine traurige Tochter an den Pranger stellen. Auch der Vater war um etliche Jahre jünger als ich, ist in einer anderen Zeit aufgewachsen und kennt es wahrscheinlich gar nicht anders. Sehr bedauert habe ich allerdings das kleine Mädchen, das gar nicht mehr dazu in der Lage ist, mit anderen Kindern Fangen zu spielen oder auf Bäume zu klettern - alles das, was man als Kind eben so gerne tun würde.
Liebe Grüße