Von Suchenden und Nichtgefundenen
Sehr lustlos bin ich heute. Bin aufgewacht mit Kopfweh, draußen liegen elende Schneehaufen, die momentan wieder wegtauen, gleichzeitig schneit es schon wieder, und die ganze Welt (zumindest mein beschränkter Ausschnitt daraus) ist weiß und grau. Die Wolken hängen so tief, dass man die Berge gar nicht sehen kann. Das gefällt mir überhaupt nicht.
Und so trostlos wie die Aussicht draußen ist auch mein heutiges Bild.
Vor ein paar Tagen habe ich einmal mit einem Uralt-Freund telefoniert. Uralt bezieht sich auf die Dauer unserer Freundschaft, nicht auf das Lebensalter. Dieser Freund ist ein sehr gescheiter Mann. Er benutzt seine Gehirnwindungen zum Denken und hat ein abegeschlossenes Studium der Anglistik, das ihm leider überhaupt nichts nützt. Sein Berufsleben hat er zum größten Teil als Portier in einem Hotel verbracht, bis er vor knapp zwei Jahren gekündigt wurde, weil er angeblich den falschen Anzug angehabt hat. Seitdem ist er ein "Suchender", wie das heute heißt, "arbeitslos" darf man anscheinend nicht mehr sagen. Kurzfristig war er einmal für lausiges Geld Türsteher im Theater, doch als es um eine fixe Anstellung gegangen ist, haben sie ihn wieder gekündigt. Wäre wahrscheinlich zu teuer gekommen. Ein Suchender ist billiger, wenn das Arbeitsamt (Verzeihung - Arbeitsmarktservice heißt das heute) seinen Lohn zahlt. Ich habe so den Verdacht, dass so manche Firmen heutzutage ihren Arbeitskräftebedarf mit Suchenden decken, die sie wieder entlassen, sobald die vom Amt geförderte Zeit vorüber ist. Dann dürfen die Suchenden wieder weiter suchen. Eine wunderbare Einrichtung ist das für die Arbeitgeber. Sie haben billige Arbeitskräfte, die Gewerkschaft hat nichts zu melden, die Arbeit wird gemacht von Leuten, die keinerlei Ansprüche stellen können. Schöne neue Wirtschaftswelt.
Am Montag gehe ich mit meinem Uralt-Freund essen, da werde ich Genaueres über sein weiteres Schicksal erfahren und wie weit die Schräubchen inzwischen schon angezogen worden sind. Denn die Schuld am Zustand des Suchens tragen immer die Suchenden selbst, niemals die Firmen. Das ist ein Naturgesetz.
Liebe Grüße
Und so trostlos wie die Aussicht draußen ist auch mein heutiges Bild.Vor ein paar Tagen habe ich einmal mit einem Uralt-Freund telefoniert. Uralt bezieht sich auf die Dauer unserer Freundschaft, nicht auf das Lebensalter. Dieser Freund ist ein sehr gescheiter Mann. Er benutzt seine Gehirnwindungen zum Denken und hat ein abegeschlossenes Studium der Anglistik, das ihm leider überhaupt nichts nützt. Sein Berufsleben hat er zum größten Teil als Portier in einem Hotel verbracht, bis er vor knapp zwei Jahren gekündigt wurde, weil er angeblich den falschen Anzug angehabt hat. Seitdem ist er ein "Suchender", wie das heute heißt, "arbeitslos" darf man anscheinend nicht mehr sagen. Kurzfristig war er einmal für lausiges Geld Türsteher im Theater, doch als es um eine fixe Anstellung gegangen ist, haben sie ihn wieder gekündigt. Wäre wahrscheinlich zu teuer gekommen. Ein Suchender ist billiger, wenn das Arbeitsamt (Verzeihung - Arbeitsmarktservice heißt das heute) seinen Lohn zahlt. Ich habe so den Verdacht, dass so manche Firmen heutzutage ihren Arbeitskräftebedarf mit Suchenden decken, die sie wieder entlassen, sobald die vom Amt geförderte Zeit vorüber ist. Dann dürfen die Suchenden wieder weiter suchen. Eine wunderbare Einrichtung ist das für die Arbeitgeber. Sie haben billige Arbeitskräfte, die Gewerkschaft hat nichts zu melden, die Arbeit wird gemacht von Leuten, die keinerlei Ansprüche stellen können. Schöne neue Wirtschaftswelt.
Am Montag gehe ich mit meinem Uralt-Freund essen, da werde ich Genaueres über sein weiteres Schicksal erfahren und wie weit die Schräubchen inzwischen schon angezogen worden sind. Denn die Schuld am Zustand des Suchens tragen immer die Suchenden selbst, niemals die Firmen. Das ist ein Naturgesetz.
Liebe Grüße
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